Unternehmen erzeugen täglich große Mengen geschäftskritischer Daten. Dokumente, E-Mails, Projektdateien, Bilder, Videos, Datenbanken und Sicherungen müssen zentral gespeichert, zuverlässig geschützt und für berechtigte Mitarbeiter schnell erreichbar sein. Ein professionelles Network Attached Storage, kurz NAS, bietet dafür eine flexible und skalierbare Lösung.
Ein NAS- und Storage-System wird direkt in das Unternehmensnetzwerk eingebunden. Mehrere Benutzer, Computer, Server und Anwendungen können dadurch auf einen gemeinsamen Speicher zugreifen. Je nach Ausstattung übernimmt das System zusätzlich Backups, Dateisynchronisation, Virtualisierung, Videoaufzeichnung oder die Bereitstellung privater Cloud-Dienste.
Bei der Auswahl sollten Unternehmen nicht nur auf die maximale Speicherkapazität achten. Entscheidend sind außerdem Anzahl der Laufwerksschächte, RAID-Konfiguration, Prozessor, Arbeitsspeicher, Netzwerkgeschwindigkeit, Erweiterbarkeit, Backup-Konzept und Ausfallsicherheit.
Was ist ein NAS?
Ein NAS ist ein eigenständiger Netzwerkspeicher mit Betriebssystem, Prozessor, Arbeitsspeicher, Netzwerkanschlüssen und mehreren Laufwerksschächten. Im Unterschied zu einer externen USB-Festplatte steht der Speicher nicht nur einem einzelnen Computer, sondern allen berechtigten Geräten im Netzwerk zur Verfügung.
Typische Einsatzbereiche sind:
- zentrale Dateiablage für Mitarbeiter und Abteilungen
- automatische Sicherung von PCs, Notebooks und Servern
- gemeinsame Projekt- und Mediendaten
- Archivierung geschäftlicher Dokumente
- Speicherung von Videoüberwachungsaufnahmen
- Synchronisation zwischen mehreren Standorten
- Private-Cloud-Lösungen
- Bereitstellung virtueller Maschinen oder Container
Für welche Unternehmen eignet sich ein NAS?
Ein NAS eignet sich für kleine Büros ebenso wie für Hotels, Schulen, Arztpraxen, Kanzleien, Gemeinden, Industrieunternehmen und größere Organisationen. Die passende Ausstattung hängt vor allem von Benutzerzahl, Datenmenge und Einsatzbereich ab.
| Einsatzbereich | Typische Ausstattung |
|---|---|
| Kleines Büro | 2 bis 4 Laufwerksschächte, 1 oder 2,5 Gigabit |
| Mittelständisches Unternehmen | 4 bis 8 Schächte, RAID, erweiterbarer RAM, 2,5 oder 10 Gigabit |
| Videoüberwachung | hohe Kapazität, NAS-Festplatten, Kamera-Lizenzen, redundante Speicherung |
| Virtualisierung | leistungsstarker Prozessor, viel RAM, SSD-Cache, 10 Gigabit |
| Große Organisation | Rack-NAS, redundante Netzteile, mehrere Uplinks, Erweiterungsgehäuse |
Wie viele Laufwerksschächte werden benötigt?
Die Anzahl der Laufwerksschächte bestimmt, wie viele HDDs oder SSDs eingebaut werden können. Mehr Schächte ermöglichen eine höhere Gesamtkapazität, flexiblere RAID-Konfigurationen und bessere Erweiterungsmöglichkeiten.
- 2-Bay-NAS: für kleine Büros, einfache Dateiablage und Backups
- 4-Bay-NAS: für wachsende Unternehmen und flexible RAID-Konfigurationen
- 6- oder 8-Bay-NAS: für größere Datenmengen, Videoüberwachung und Virtualisierung
- Rack-NAS: für Serverräume, größere Organisationen und zentrale IT-Infrastrukturen
Ein NAS sollte nicht nur für den aktuellen Speicherbedarf dimensioniert werden. Datenmengen wachsen meist kontinuierlich. Zusätzliche Laufwerksschächte können deshalb langfristig wirtschaftlicher sein als ein späterer Komplettaustausch.
RAID ersetzt kein Backup
Viele NAS-Systeme verwenden mehrere Laufwerke in einem RAID-Verbund. RAID kann die Verfügbarkeit erhöhen und vor dem Ausfall einzelner Festplatten schützen. Es schützt jedoch nicht vor versehentlichem Löschen, Schadsoftware, Diebstahl, Feuer oder einem vollständigen Ausfall des Systems.
| RAID-Level | Eigenschaften |
|---|---|
| RAID 1 | Spiegelung auf zwei Laufwerke, einfache Ausfallsicherheit |
| RAID 5 | mindestens drei Laufwerke, Ausfall eines Laufwerks möglich |
| RAID 6 | mindestens vier Laufwerke, Ausfall von zwei Laufwerken möglich |
| RAID 10 | hohe Leistung und Redundanz, benötigt mindestens vier Laufwerke |
Für geschäftskritische Daten ist zusätzlich ein separates Backup erforderlich. Eine bewährte Grundlage ist die 3-2-1-Regel: drei Kopien der Daten, auf zwei unterschiedlichen Speichermedien, davon eine Kopie außerhalb des Standorts.
HDD oder SSD im NAS?
Für große Datenmengen werden meist spezielle NAS-Festplatten eingesetzt. Diese sind für den Dauerbetrieb und den Einsatz in Systemen mit mehreren Laufwerken ausgelegt.
SSDs bieten deutlich kürzere Zugriffszeiten, geringere Geräuschentwicklung und eine hohe Leistung bei vielen gleichzeitigen Zugriffen. Sie eignen sich besonders für Datenbanken, virtuelle Maschinen und anspruchsvolle Anwendungen. Bei sehr großen Kapazitäten sind HDDs jedoch häufig wirtschaftlicher.
Viele Systeme kombinieren beide Technologien:
- HDDs für große Datenmengen und Archive
- SSDs als Cache für häufig benötigte Daten
- reine SSD-Konfigurationen für maximale Leistung
Bei der Laufwerksauswahl sollten ausschließlich Modelle verwendet werden, die für NAS- oder Enterprise-Systeme geeignet und mit dem jeweiligen Gerät kompatibel sind.
Wie viel Speicherkapazität ist sinnvoll?
Für die Berechnung müssen Nutzdaten, RAID-Verlust, Backups, Versionierung und zukünftiges Wachstum berücksichtigt werden.
Beispiel: Werden aktuell 6 TB Daten gespeichert und wächst der Bestand jährlich um etwa 2 TB, sollte das System nicht nur mit 8 TB nutzbarer Kapazität geplant werden. Zusätzlicher Speicher wird für Sicherungen, Dateiversionen, Snapshots und kommende Projekte benötigt.
Eine Reserve von mindestens 30 Prozent ist für viele Unternehmen sinnvoll. Bei Videoüberwachung, großen Mediendateien oder stark wachsenden Datenbeständen sollte deutlich mehr Spielraum vorgesehen werden.
Netzwerkgeschwindigkeit richtig planen
Die Leistung eines NAS hängt nicht nur von den Laufwerken ab. Auch die Verbindung zum Netzwerk ist entscheidend.
- 1 Gigabit: einfache Dateiablage und kleinere Büros
- 2,5 Gigabit: mehrere gleichzeitige Benutzer und größere Dateien
- 5 Gigabit: anspruchsvollere Workflows und schnelle Backups
- 10 Gigabit: Virtualisierung, Video, große Datenmengen und zentrale Backups
Für schnelle Verbindungen werden ein geeigneter Netzwerk-Switch, kompatible Netzwerkkarten und gegebenenfalls passende Transceiver benötigt. Der gesamte Übertragungsweg muss die gewünschte Geschwindigkeit unterstützen.
Bei größeren Installationen können mehrere Netzwerkanschlüsse gebündelt oder getrennt für unterschiedliche Aufgaben verwendet werden. Dadurch lassen sich Datenverkehr, Backups und Verwaltungszugriffe besser verteilen.
Desktop-NAS oder Rack-NAS?
Desktop-NAS-Systeme sind kompakt und eignen sich für Büros ohne eigenen Serverraum. Bei der Aufstellung sollten Geräuschentwicklung, Wärme und physischer Zugriff berücksichtigt werden.
Ein Rack-NAS wird in einem 19-Zoll-Rack oder Netzwerkschrank installiert. Diese Bauform eignet sich für zentrale Serverräume und größere IT-Umgebungen. Passendes Rack-Zubehör erleichtert Montage, Stromversorgung und Kabelführung.
Für besonders hohe Verfügbarkeit sind Modelle mit redundanten Netzteilen, austauschbaren Lüftern und mehreren Netzwerkanschlüssen erhältlich.
Synology oder QNAP?
Synology bietet ein umfangreiches Portfolio aus kompakten Desktop-Systemen, leistungsfähigen RackStation-Modellen und einer benutzerfreundlichen Verwaltungsoberfläche. Die Lösungen eignen sich unter anderem für zentrale Dateiablage, Backups, Synchronisation und Videoüberwachung.
QNAP bietet ebenfalls ein breites Angebot an Desktop- und Rack-NAS-Systemen. Viele Modelle verfügen über leistungsfähige Prozessoren, Multi-Gigabit-Anschlüsse, Erweiterungssteckplätze und Funktionen für Virtualisierung oder anspruchsvolle Speicheranwendungen.
Welcher Hersteller besser passt, hängt nicht allein von der Hardware ab. Entscheidend sind gewünschte Anwendungen, Benutzerverwaltung, Backup-Ziele, Kamera-Unterstützung, Erweiterbarkeit und vorhandene IT-Infrastruktur.
Backup und Schutz vor Ransomware
Ein NAS kann ein wichtiger Bestandteil der Datensicherung sein, darf jedoch nicht die einzige Kopie wichtiger Daten enthalten. Schadsoftware kann auch erreichbare Netzlaufwerke verschlüsseln oder löschen.
Ein professionelles Backup-Konzept sollte deshalb mehrere Schutzebenen enthalten:
- regelmäßige automatische Sicherungen
- Snapshots gegen versehentliche Änderungen
- getrennte Benutzerrechte
- Backup auf ein zweites NAS oder externes Speichermedium
- zusätzliche verschlüsselte Cloud- oder Standortkopie
- Multi-Faktor-Authentifizierung für Administratoren
- regelmäßige Updates des NAS-Betriebssystems
- Tests, ob gesicherte Daten tatsächlich wiederhergestellt werden können
Speichererweiterungen und zusätzliche Systeme finden Sie auch unter Festplatten-Arrays.
USV für das NAS einplanen
Ein plötzlicher Stromausfall kann laufende Schreibvorgänge unterbrechen und im ungünstigsten Fall Dateisysteme oder Daten beschädigen. Deshalb sollte ein geschäftlich genutztes NAS an eine geeignete USV angeschlossen werden.
Viele NAS-Systeme können mit einer USV kommunizieren und sich bei längeren Stromausfällen automatisch kontrolliert herunterfahren. Bei der Dimensionierung müssen NAS, Laufwerke, Netzwerk-Switch und weitere zentrale Komponenten berücksichtigt werden.
NAS für Videoüberwachung
Ein NAS kann als zentraler Speicher für Netzwerkkameras eingesetzt werden. Die erforderliche Kapazität hängt von Anzahl der Kameras, Auflösung, Bildrate, Komprimierung und gewünschter Aufbewahrungsdauer ab.
Zusätzlich müssen mögliche Kamera-Lizenzen und die maximale Anzahl unterstützter Kameras geprüft werden. Bei größeren Installationen ist eine professionelle Video-Management-Lösung häufig sinnvoller als eine einfache Standardspeicherung.
Typische Fehler bei der Auswahl
- Speicherkapazität ohne zukünftiges Wachstum berechnen
- RAID mit einem vollständigen Backup verwechseln
- ungeeignete Desktop-Festplatten verwenden
- zu wenige Laufwerksschächte einplanen
- Netzwerkgeschwindigkeit unterschätzen
- keine USV vorsehen
- keine externe oder räumlich getrennte Sicherung erstellen
- Benutzerrechte zu großzügig vergeben
- Wiederherstellung der Backups nicht testen
- Lizenzkosten für Zusatzfunktionen nicht berücksichtigen
Checkliste für die NAS-Auswahl
- Wie viele Mitarbeiter greifen gleichzeitig auf das System zu?
- Wie groß ist der aktuelle Datenbestand?
- Wie schnell wächst die Datenmenge?
- Wie viele Laufwerksschächte werden benötigt?
- Welches RAID-Level ist geplant?
- Werden HDDs, SSDs oder eine Kombination eingesetzt?
- Reichen 1 oder 2,5 Gigabit aus?
- Ist für Anwendungen oder Backups 10 Gigabit notwendig?
- Werden virtuelle Maschinen oder Container betrieben?
- Soll das NAS Videoüberwachungsaufnahmen speichern?
- Wie wird eine externe Sicherung umgesetzt?
- Ist eine ausreichend dimensionierte USV vorhanden?
Häufige Fragen zu NAS-Systemen
Ist ein NAS automatisch ein Backup?
Nein. Werden die einzigen Unternehmensdaten auf dem NAS gespeichert, ist das System lediglich der Hauptspeicher. Für ein Backup ist mindestens eine zusätzliche, unabhängige Kopie erforderlich.
Wie viele Laufwerksschächte sollte ein Unternehmen wählen?
Für kleine Büros können zwei Schächte ausreichen. Vier oder mehr Schächte bieten jedoch bessere Möglichkeiten für RAID, Speichererweiterung und zukünftiges Wachstum.
Kann von außerhalb auf das NAS zugegriffen werden?
Ja, viele Systeme ermöglichen einen sicheren Fernzugriff. Dieser sollte jedoch über verschlüsselte Verbindungen, starke Benutzerrechte und Multi-Faktor-Authentifizierung abgesichert werden.
Kann ein NAS einen klassischen Server ersetzen?
Für Dateiablage, Backups und bestimmte Anwendungen kann ein NAS viele Serveraufgaben übernehmen. Bei komplexen Geschäftsanwendungen, großen Datenbanken oder umfangreicher Virtualisierung kann jedoch ein klassischer Server geeigneter sein.
Wie lange hält ein NAS?
Die Nutzungsdauer hängt von Auslastung, Umgebung, Wartung und Ersatzteilverfügbarkeit ab. Laufwerke sollten regelmäßig überwacht und bei Auffälligkeiten frühzeitig ersetzt werden.
Fazit
Ein NAS bietet Unternehmen eine zentrale und flexible Plattform für Dateien, Backups, Zusammenarbeit und zahlreiche weitere Anwendungen. Die passende Lösung sollte nicht nur nach dem aktuellen Speicherbedarf ausgewählt werden.
Entscheidend sind ausreichende Laufwerksschächte, eine geeignete RAID-Konfiguration, schnelle Netzwerkanschlüsse, hochwertige Laufwerke, ein durchdachtes Backup-Konzept und Schutz vor Stromausfällen. Mit genügend Leistungs- und Kapazitätsreserven lässt sich das System später einfacher erweitern.
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